Freitag, 19.09.2025

09:15 - 10:45

05.03.09
(Raum 1)

E41

Sichtweisen auf das Alter in Medien, Hausarztpraxen und der Gruppe älterer und gehörloser Menschen

Moderation: S. Wurm, Greifswald

09:15
Darstellung von Alter(n) und älteren Menschen in Kinder und Jugendmedien – ein qualitativer systematischer Literaturreview
E41-1 

F. Meyer-Wyk, S. K. Schäfer, L. Jesgarz, S. Wurm; Greifswald, Braunschweig

Gesellschaftliche Altersstereotype werden über den Lebensverlauf verinnerlicht und beeinflussen das persönliche Alternserleben und den Alternsprozess. Angesichts ihrer Bedeutung stellt sich die Frage nach der Entstehung von Altersstereotypen. Ein möglicher Ausgangspunkt für den Erwerb von Altersstereotypen sind Kinder- und Jugendmedien. Diese systematische Übersichtsarbeit untersucht daher, welche Merkmale und Entwicklungstrends sich zur Darstellung von Alter(n) und älteren Menschen in Kinder- und Jugendmedien in internationaler Primärliteratur von 1955 bis heute feststellen lassen. Dabei werden das Vorkommen älterer Menschen, ihre Rollen und Aktivitäten sowie ihre körperlichen und Persönlichkeitsmerkmale untersucht. Ziel der Studie ist ein aktueller, systematischer Literaturüberblick, der Schlussfolgerungen über mögliche Unterschiede in medialen Erfahrungen von Altersstereotypen zwischen verschiedenen Generationen und zwischen den Zielgruppen Kinder versus Jugendliche ermöglicht. Eine prospektive Präregistrierung des Reviews ist im Open Science Framework (OSF) erfolgt (OSF.IO/BD8A2). Die Dokumentation folgt den PRISMA-Standards. Die Suche nach Primärstudien, die zwischen 1955 und 2024 veröffentlicht wurden, erfolgte in den Datenbanken Web of Science, APA PsycNet, Scopus, Embase, Communication Source und Education Resources Information Center. Die Suchstrategie umfasste drei Begriffs-Cluster zu (a) Kinder- und Jugendmedien, (b) Darstellung und (c) ältere Menschen. Das Screening auf Title/Abstract- und Volltextebene erfolgte unabhängig durch zwei Personen, die substanziell übereinstimmten. Die Datenextraktion wurde von einer Person durchgeführt und durch eine zweite Person überprüft. Von 1292 Einträgen ergab das Screening 34 relevante Primärstudien. Sie wurden zwischen 1977 und 2023 veröffentlicht und stammen mehrheitlich aus den USA sowie aus Westeuropa, Südamerika und Asien. Untersuchungsgegenstand waren Bücher, Bilderbücher, Filme, Fernsehserien, Theaterstücke und Magazine. Der Beitrag wird sich auf die Ergebnisse der qualitativen Synthese konzentrieren.

09:35
Have Aging-Related Beliefs and Behaviors Changed After the COVID-19 Pandemic?
E41-2 

S. Radoš, M. Pavlova, K. Rothermund, R. Silbereisen; Vechta, Jena

During the COVID-19 pandemic, age-segregated pandemic control policies and media commentaries reinforced the narrative of older age as a phase of vulnerability and disengagement. Moreover, public health measures restricted the opportunities for healthy and active lifestyles, while active aging campaigns were sidelined. Accordingly, aging-related beliefs and behaviors may have changed in this period. Using data from the Innovation Sample of the German Socio-Economic Panel (SOEP-IS), we investigated the mean change in perceived expectations for active aging (PEAA), positive age stereotypes, and preparation for age-related changes between 2016 and 2022 across the domains of physical health, mental health, and social engagement. Furthermore, we conducted residual change analysis to examine the role of socioeconomic factors and political attitudes in the individual differences in change. Wald test and repeated measures ANOVA revealed that the average levels of PEAA and positive age stereotypes declined from 2016 to 2022 across all age groups and domains. In contrast, preparation for age-related changes showed only a slight decline limited to the social engagement domain. Having children in the household predicted negative change in PEAA across domains, while affinity for populism was associated with negative change in PEAA in the social engagement domain. None of the focal predictors significantly predicted change in positive age stereotypes. Surprisingly, working in an occupation more or less disrupted by the pandemic (vs. in those with minimal disruption) predicted more positive change in preparation for age-related changes in the mental health domain. No significant effects of education, income change, or political party support were found across outcomes. The effects of control variables largely aligned with the findings from pre-pandemic research on aging-related beliefs and behaviors. Overall, compared to positive age stereotypes, PEAA appeared to be more sensitive to the pandemic situation. The behavioral indicator, preparation for age-related changes, exhibited the highest stability. Possibly, the construct of preparation was intertwined with adaptive responses to changing circumstances and to the pressing health threat at the time.

09:55
Sichtweisen auf das Alter in der hausärztlichen Praxis (SIAH)
E41-3 

F. Meyer-Wyk, A.-K. Reinhard, M. Wettstein, M. Hanke, S. Wurm; Greifswald

Altersbilder, d. h. Sichtweisen auf alte Menschen (Altersstereotype) und auf das eigene Älterwerden sind insbesondere im Kontext der Gesundheitsversorgung von hoher Bedeutung, da sie den Umgang mit älteren Patientinnen und Patienten und ihre medizinische Behandlung beeinflussen können. Eine Reihe von Studien untersuchte deshalb die Altersbilder von Pflegekräften sowie von Studierenden der Pflegewissenschaften und Humanmedizin. Bislang ist jedoch wenig dazu bekannt, welche Altersbilder bei Hausärztinnen und Hausärzten vorherrschen und inwiefern sie mit Merkmalen der Hausärztinnen und Hausärzte und ihrer Praxen zusammenhängen. Die aktuelle Studie untersucht diese Forschungsfragen durch eine Befragung von in Mecklenburg-Vorpommern tätigen Hausärztinnen und Hausärzten und damit in einem der Bundesländer, in denen sich aktuell der demografische Wandel in Deutschland am stärksten vollzieht. Alle von der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern online gelisteten und in der hausärztlichen Versorgung im Land Mecklenburg-Vorpommern tätigen Ärztinnen und Ärzte (N=1200) werden aktuell bis Ende Juni 2025 postalisch kontaktiert und zur Befragungsteilnahme mittels Papier- oder Online-Fragebogen eingeladen. Erhoben werden Angaben zu soziodemographischen Personen- und strukturellen Praxismerkmalen sowie Altersstereotype (Kornadt & Rothermund, 2011) und zukunftsgerichtete Altersselbstbilder (Kornadt & Rothermund, 2012) in verschiedenen Lebensbereichen. Der Beitrag wird erste Ergebnisse der Befragung berichten.

10:15
Wahrnehmungen von Demenz, Informationsbedarf und Zugang zur Gesundheitsversorgung in Gehörlosengemeinschaften Europas: Eine Untersuchung der Bedarfe gehörloser Gemeinschaften in Österreich, Deutschland und Griechenland zur Entwicklung kulturell und sprachlich angepasster Demenzsensibilisierungskurse
E41-4 

I. A. Angelidou, T. Ntova, E. Karar, B. Teichmann; Köln, Heidelberg

Fragestellung: Gehörlose Menschen stehen bis heute vor komplexen Herausforderungen sowohl beim Zugang zur Gesundheitsversorgung als auch bei der Beschaffung von Informationen über Demenz. Trotz dieser Umstände ist die Forschung zu ihren Wahrnehmungen von Demenz und zum Bedarf an maßgeschneiderten Sensibilisierungsprogrammen bislang begrenzt. Deshalb wird im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Design“ ein Demenzaufklärungsprogramm speziell für gehörlose Menschen entwickelt. Die vorliegende Studie bildet die Grundlage für diese Initiative, indem sie (1) das Wissen und die Wahrnehmungen gehörloser Personen in Österreich, Deutschland und Griechenland zu Demenz, (2) bestehende Herausforderungen beim Zugang zu Informationen und Gesundheitsdiensten sowie (3) die Präferenzen hinsichtlich der Gestaltung spezialisierter, barrierefreier Demenzsensibilisierungskurse untersucht.

Methode: Es wurden sechs halbstrukturierte Fokusgruppeninterviews in den jeweiligen nationalen Gebärdensprachen mit 4–8 gehörlosen Teilnehmern pro Gruppe durchgeführt. In jedem Land fanden zwei Interviews statt. Zu den Teilnehmenden gehörten gehörlose Demenzexpert*innen sowie gehörlose Nicht-Expert*innen, darunter pflegende Angehörige und Mitglieder der allgemeinen Gehörlosengemeinschaft. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels induktiver Inhaltsanalyse.

Ergebnisse: Teilnehmende ohne spezifische Demenzexpertise aus der Gehörlosengemeinschaft zeigten erhebliche Wissenslücken im Bereich Demenz, einschließlich Fehlvorstellungen zu ersten Symptomen, Ursachen und Risikofaktoren. Informationen über Demenz in Gebärdensprache wurden von den Teilnehmenden als nahezu nicht existent beschrieben. Die Teilnehmenden betonten den Bedarf an Sensibilisierungskursen, die speziell auf die Bedürfnisse und Ressourcen gehörloser Menschen zugeschnitten sind und sowohl Grundlagenwissen über Demenz (z.B. Ursachen, Risikofaktoren, erste Anzeichen) als auch Informationen über verfügbare spezialisierte Gesundheitsdienste und Ressourcen in ihrem Land vermitteln. Bevorzugt wurden Kursformate, die in Gebärdensprache angeboten werden und kulturell angemessene Informationsmethoden, wie interaktive Formate, Gruppendiskussionen und visuelle Materialien, integrieren.

Schlussfolgerung: Sensibilisierungskurse in Gebärdensprache sind essentiell, um bestehende Wissenslücken bei gehörlosen Personen zu schließen und den Zugang zu Informationen über Demenz für die Gehörlosengemeinschaft nachhaltig zu verbessern.

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