Freitag, 19.09.2025

10:45 - 11:30

Foyer 3. OG

Postergruppe

Die Poster werden während der gesamten Tagung gezeigt.
Eine Posterbegehung findet am Freitag in der Pause von 10:45 - 11:30 statt. Zu dieser Zeit wird darum gebeten, dass sich eine Person aus dem Autorenkollektiv für eventuelle Fragen am Poster bereit hält.

 
Interventionsplanung "bottom-up": Fokusgruppen mit Menschen mit Demenz sowie An- und Zugehörigen
P01 

M. Bulian, C. Cornaro; Heidelberg

Der Einbezug von Menschen mit Demenz und deren An- und Zugehörigen in die Entwicklung von therapeutischen Interventionen ist von entscheidender Bedeutung. Der erste Teil des Posters befasst sich mit möglichen Herausforderungen der partizipativen Forschung sowie den Erfahrungen, die in der Planung und Durchführung von Fokusgruppen gemacht wurden. Im zweiten Teil des Posters werden die Ergebnisse dieser Fokusgruppen vorgestellt. Dazu gehören: 1) Faktoren, die die Lebensqualität vor und nach einer Demenzdiagnose beeinflussen, 2) Motive und Barrieren hinsichtlich therapeutischer Interventionen und 3) die Bedeutung von "Gleichberechtigung" in den Beziehungen zu Familie/Freunden und dem Fachpersonal im Gesundheitswesen. Diese Ergebnisse markieren einen Meilenstein in unserem Projekt "TRIALOG-Demenz" mit dem übergreifenden Ziel, Menschen, die mit Demenz leben sowie deren An- und Zugehörige gleichberechtigt in die Interventionsplanung einzubeziehen, um die Lebensqualität aller Beteiligten zu verbessern.

 
Selbstwirksamkeit von pflegenden Angehörigen: Validierungsstudie der Revised Scale of Caregiver Self-Efficacy (RSCSE)
P02 

C. Cornaro, M. Bulian; Heidelberg

Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die Überzeugung einer Person, dass sie in der Lage ist, auch herausfordernde Situationen erfolgreich zu bewältigen (Bandura, 1997). Es hat sich gezeigt, dass ein höheres Selbstwirksamkeitsgefühl pflegenden An- und Zugehörigen hilft, mit den Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, besser umzugehen. Die überarbeitete Skala der Selbstwirksamkeit von Pflegenden (RSCSE) von Steffen et al. 2002 konzentriert sich auf Pflegende von Menschen mit Demenz und umfasst folgende drei Bereiche: Erlangung von Entlastung, Umgang mit "herausforderndem" Verhalten und Umgang mit belastenden Gedanken in der Pflege. Der Fragebogen ist weit verbreitet und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt, darunter Arabisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch. Auf diesem Poster werden die Ergebnisse der Übersetzung und Validierung der deutschen Version vorgestellt. Die Übersetzung erfolgte mittels Übersetzung/Rückübersetzung. Die Daten wurden über eine Online-Umfrage auf soSci survey erhoben, mit der Option, sie alternativ in Persona durchzuführen. N=126 füllten die Umfrage aus, wobei N=62 den Re-Test absolvierten. Die Zusammenhänge zwischen Selbstwirksamkeit und anderen evaluierten Faktoren wie Lebensqualität, positive Aspekte der Pflege, Einsamkeit, soziale Netzwerke, Selbstvertrauen im Umgang mit Demenz, Wissen über Demenz, Resilienz und State-Trait-Angst werden diskutiert. Abschließend wird ein Fazit gezogen, ob der RSCSE ein zuverlässiges Instrument zur Beurteilung der Selbstwirksamkeit von pflegenden An- und Zugehörigen von Menschen mit Demenz im deutschen Kontext ist.

 
Multiple Sklerose und Inkontinenz; Herausforderungen bei der Hilfsmittelversorgung im Verlauf des Älterwerdens
P03 

S.-N. Ruppert; Wolfsburg

Evident ist, dass MS jungen Frauen zwischen Anfang 20 bis 40 betreffen kann, seltener Männer. Inkontinenzsymptome können aufgrund des progressiven und degenerativen Charakters der Erkrankung innerhalb der ersten 10 Jahre auftreten. Die betroffenen Personen schreiben der Inkontinenzproblematik, dem fortschreitenden Alter oder Schwangerschaft bzw. Geburt zu, seltener der MS. Zudem sind die Belastungen durch MS im Alltag hoch, dass der Inkontinenz im Krankheitsverlauf geringe bis keine Aufmerksamkeit zugeschrieben wird, auch weil die Prioritäten bei Alltag und Familie liegen. Dies, neue Therapieformen und gesellschaftliche Tabuisierung können dazu führen, dass Diagnostik, Therapie bzw. Versorgung erst mit einer zusätzlichen Verzögerung von mehreren Jahren beginnen.

Mit zunehmendem Alter und Auswirkungen der MS steigen die Herausforderungen im Versorgungsmanagement der Inkontinenz. Parallel verlieren die Betroffenen Ressourcen zur Bewältigung der Krankheitsfolgen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich das Forschungsprojekt MS-Vita der Frage nach der Versorgungssituation von Menschen mit MS und Entleerungsstörungen, der Entwicklung eines bedarfsgerechten Konzepts der Hilfsmittelversorgung sowie Ableitung von Handlungsempfehlungen für eine patientenorientierte Hilfsmittelversorgung.

Ergebnisse zeigen, dass neben dem Vernachlässigen erster Inkontinenzproblematiken auf Seiten der Betroffenen und den verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitssystem der Inkontinenz bei MS lange geringe bis keine Aufmerksamkeit gewidmet wird. Betroffene und die Mitglieder der Berufsgruppen äußern hinsichtlich des Versorgungsmanagements weiter, dass das öffentliche Versorgungsangebot abnimmt und an MS erkrankten Menschen zunehmend auf sich selbst bzw. An-, Zugehörige angewiesen sind.

Die beiderseitige Vernachlässigung der Inkontinenzproblematik bei MS zusammen mit einem sukzessiven Ressourcenverlust bei den Betroffenen führt dazu, dass ein individuelles Versorgungsmanagement viel zu spät beginnt, mit Nachteilen für den Therapieerfolg und die soziale Teilhabe.

 
Implementierung und Anwendung passiver Exoskelette in der stationären Pflege: Chancen und Herausforderungen
P04 

K. Baumgärtner, J. Schoch; Stuttgart

Rückenbeschwerden zählen zu den häufigsten arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen in der Pflege und gelten als eine zentrale Ursache für krankheitsbedingte Ausfälle und vorzeitige Berufsausstiege. Der Einsatz von Exoskeletten bietet eine vielversprechende Möglichkeit, die körperliche Belastung zu reduzieren und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das Institut für Innovation, Pflege und Alter der Evangelischen Heimstiftung untersucht in einem Pilotprojekt die Machbarkeit, Akzeptanz und den Nutzen dieser Technologie in der stationären Pflege. Ziel ist es, potenzielle Vorteile und Hindernisse bei der Implementierung passiver Exoskelette zu identifizieren.

Das Projekt gliedert sich in zwei Phasen. In der ersten Phase, die im Sommer 2024 stattfand, testeten Pflegekräfte (n=32) in einem eintägigen Workshop fünf Exoskelette (drei passive, zwei aktive). Nach jedem Test bewerteten die Teilnehmenden Aspekte wie Bewegungsfreiheit, Gewicht, Unterstützung, An- und Ausziehen sowie Komfort. Das Modell BionicBack der Firma hTRIUS erhielt die besten Bewertungen, da es eine spürbare Unterstützung bot, ohne die Beweglichkeit wesentlich einzuschränken. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde es für die nachfolgende Praxistestung ausgewählt.

In der zweiten Phase wird das BionicBack in einer dreimonatigen Testphase in der Praxis erprobt. Acht Pflegekräfte testen das Exoskelett in zwei stationären Einrichtungen. Zu Beginn und am Ende der Testphase werden Befragungen durchgeführt, um das Entlastungs- und Unterstützungspotential des Exoskeletts zu bewerten und mögliche Hürden zu identifizieren. Ergänzend werden Fokusgruppeninterviews durchgeführt, die aufgezeichnet, transkribiert und nach der Inhaltsanalyse von Kuckartz ausgewertet werden.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Handhabung des Exoskeletts zu Beginn von mehreren Teilnehmenden als herausfordernd erlebt wurde. Unsicherheiten in der Anwendung und der Handhabung führten zu Unbehagen beim Tragen und erschwerten die Integration in den Arbeitsalltag. Es zeigte sich, dass eine längere Eingewöhnungszeit notwendig ist. Diese Herausforderungen unterstreichen die Bedeutung einer umfassenden Schulung sowie einer intensiven Begleitung in der Anfangsphase. Die Testphase läuft bis Juni 2025 und soll mehr Hinweise auf das Potenzial einer langfristigen Nutzung von Exoskeletten in der Pflege bieten.

 
Konzeption von Musterwänden zur Technikberatung und -bildung älterer Menschen im ländlichen Raum – ein partizipativ evaluatorischer Ansatz
P05 

W. Kalle; Flensburg

Angesichts des demographischen Wandels, des sich verstärkenden Fachkräftemangels in der Pflege sowie infrastruktureller und finanzieller Begrenzungen ist eine flächendeckende Unterbringung älterer Menschen in stationären Einrichtungen zunehmend nicht mehr realisierbar. Zukünftig wird die Versorgung dieser Zielgruppe verstärkt in den Privathaushalten stattfinden müssen, um das bestehende Versorgungssystem zu entlasten. Die Nutzung unterstützender Technologien kann im Alltag älterer Menschen helfen, die digitale und soziale Teilhabe zu erhalten sowie die Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhöhen und selbstständiges Wohnen in Privathaushalten sichern. Jedoch sind Zugang zu technischen Ressourcen und die Fähigkeit zur Techniknutzung sozial und räumlich ungleich verteilt. Besonders im ländlichen Raum zeigt sich ein Versorgungs- und Bildungsdefizit, was Teilhabechancen einschränkt und sich auf das selbstständige Wohnen auswirkt. Eine individuelle, unabhängige und bedürfnisorientierte Technikberatung kann helfen, die Möglichkeiten von Technologien des Alltages zu vermitteln und somit die Technikkompetenz, -akzeptanz erhöhen, sowie das selbstständige Wohnen zu stärken. Dieses Ziel verfolgt das Promotionsvorhaben zur Entwicklung eines neuen Beratungsinstruments: Sogenannte Musterwände bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu Technikberatung und -bildung.

Das methodische Vorgehen basiert auf einem partizipativ evaluatorischen Ansatz zur Konzeptentwicklung. In der ersten Phase werden mithilfe leitfadengestützter Interviews die Bedarfe der Zielgruppe der älteren Menschen erhoben. Anschließend werden die Erkenntnisse in Fokusgruppen aus Technikberatende, Bildungsexpert*innen sowie kommunale Entscheider*innen vorgestellt und Anforderungen abgeleitet. Diese dienen in der zweiten Phase als Grundlage für die Entwicklung und Herstellung eines Musterwand-Prototypen. Dieser wird in Phase drei in Beratungsinterventionen getestet und evaluiert. Gewonnene Erkenntnisse fließen in die iterative Weiterentwicklung ein.

Im Ergebnis wird ein praxistaugliches und adaptierbares Konzept zur nachhaltigen kommunalen Anwendung sowie ein begleitendes Schulungskonzept für Multiplikator*innen entstehen, um Technikbildung nachhaltig in ländliche Versorgungsstrukturen einzubringen. In diesem Beitrag werden das methodische Vorgehen, die partizipative Vorgehensweise sowie das geplante Umsetzungskonzept vorgestellt und diskutiert.

 
Perspektiven von Patient:innen sowie An- und Zugehörigen auf KI-gestützte Chatbots im Entlassmanagement der Krankenhäuser
P06 

N. V. Grant, J. Sadel, U. Sperling, C. Kunze, H. Burkhardt; Mannheim, Furtwangen

Obwohl digitale Tools im Gesundheitswesen große Potentiale bergen und zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist der Forschungsstand dazu in Deutschland vergleichsweise gering. Dazu zählen auch Erkenntnisse zu Einsatzmöglichkeiten KI-gestützter Chatbots im Kontext der Wissensvermittlung bei Patient:innen sowie An- und Zugehörigen. Diese Studie untersucht Ansichten, Erwartungen und Bedenken hinsichtlich des Einsatzes solcher Chatbots zur Bereitstellung von Informationen zur Funktionsweise des deutschen Gesundheitssystems zur Unterstützung bei der Nachsorgeplanung nach einem Krankenhausaufenthalt. Die Untersuchung ist im Kontext des deutschen Gesundheitswesens besonders relevant, da sich das Versorgungssystem hierzulande in mehrere Sektoren aufgliedert und durch die Akteure selbst verwaltet wird. Die resultierenden Verflechtungen sind komplex und für Patient:innen sowie deren An- und Zugehörige schwer verständlich. Mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens wurde Patient:innen sowie An- und Zugehörige im Zeitraum von zwei Monaten an zwei Klinikstandorten befragt. Erfasst wurden digitale Kompetenz, bisherige Erfahrungen mit Chatbots, Bereitschaft zur Nutzung KI-basierter Unterstützung im Gesundheitswesen sowie ethische Bedenken. Die Datenauswertung umfasst deskriptive Statistiken, Varianzanalysen zur Untersuchung von Gruppenunterschieden sowie Korrelationsanalysen, um Zusammenhänge zwischen digitaler Kompetenz, Nutzungsbereitschaft und wahrgenommenen Risiken zu erfassen. Erwartet wird die Identifikation zentraler Aspekte, die die Nutzung von Chatbots im Gesundheitskontext beeinflussen. Die Ergebnisse dienen im Rahmen eines BMBF-geförderten Projekt dazu, die nutzerzentrierte Entwicklung eines KI-basierten Chatbots für das Entlassmanagement zu unterstützen, einen Zugang zu niedrigschwelligen Gesundheitsinformationen zu gestalten, Kommunikation zu erleichtern und das Klinikpersonal zu entlasten. Darüber hinaus liefern die Erkenntnisse Impulse für eine ethisch reflektierte Integration von KI-Technologien in die Gesundheitsversorgung.

 
Usability-Studie zur altersgerechten Gestaltung physiotherapeutischer Benutzeroberflächen in digitalen Trainingssystemen
P07 

M. Schlösser, W. Kalle; Karlsruhe, Berlin

Wie müssen digitale Anwendungen gestaltet sein, damit sie ältere Menschen in ihrer Beweglichkeit unterstützen – ohne sie zu überfordern? Diese Fragestellung steht im Zentrum einer bis Juli 2025 abgeschlossenen empirischen Untersuchung im Rahmen einer Masterarbeit. Untersucht wird die altersgerechte Gestaltung der Benutzeroberfläche eines digitalen Trainingssystems zur Bewegungsförderung. Die Anwendung erfasst Bewegungen über eine haushaltsübliche Webcam und gibt visuelles Feedback zu physiotherapeutischen Übungen – ohne Fitnesstrainer:in oder komplexe Technik.

Im Mittelpunkt stehen der gestalterische Entwicklungsprozess sowie die Frage, wie visuelle Elemente wie Icons, Texte, Farben und Rückmeldungen beschaffen sein müssen, damit sie für Menschen ab 60 verständlich, motivierend und intuitiv bedienbar sind. In einer nicht-repräsentativen Studie testeten ältere Proband:innen sowie eine jüngere Vergleichsgruppe verschiedene Interface-Varianten und reflektierten ihre Nutzungserfahrungen. Erfasst wurden unter anderem die Verständlichkeit von Symbolen, die Wirkung sprachlicher Hinweise sowie die Wahrnehmung von Gamification-Elementen.

Die Ergebnisse geben Einblicke in altersbezogene Unterschiede im Umgang mit digitalen Rückmeldungen, zeigen kulturelle Missverständnisse in Symbolsystemen auf und unterstreichen die Bedeutung einer iterativen, nutzer:innenzentrierten Gestaltung. Die Untersuchung schließt mit konkreten Designempfehlungen – etwa zur Symbolgestaltung, sprachlichen Vereinfachung und zur Entwicklung motivierender Feedbackmechanismen.

Der Beitrag richtet sich an Fachleute aus Forschung und Praxis, die digitale Gesundheitsanwendungen im Bereich Prävention, Rehabilitation und Mobilitätserhalt entwickeln. Ziel ist es, empirisch fundierte Einblicke in die altersgerechte Gestaltung physiotherapeutischer Benutzeroberflächen zu geben und zentrale Usability-Aspekte zu identifizieren, die insbesondere für ältere Nutzer:innen relevant sind. Die Ergebnisse sollen zur Weiterentwicklung nutzerzentrierter Designprinzipien im Bereich gesundheitsbezogener Technologien beitragen.

 
Aktuelle Entwicklungen der gerontologischen Aus- und Weiterbildung an deutschen Hochschulen
P08 

A.-K. Reinhard, I. Fechau, E.-M. Kessler, S. Wurm; Greifswald, Berlin

Angesichts des demografischen Wandels und der damit verbundenen Herausforderungen gewinnen gerontologische Themen an gesellschaftlicher Relevanz. Während die geburtenstarken Jahrgänge („Babyboomer“) in den kommenden Jahren die Regelaltersgrenze erreichen, vollzieht sich parallel dazu ein Umbau der gerontologischen Studienlandschaft in Deutschland. Nach dem Ausbau eigenständiger gerontologischer Studiengänge zu Beginn der 2000er Jahre deuten aktuelle Entwicklungen auf eine zunehmende Diversifizierung und teilweise rückläufige Tendenz dieser Angebote hin. In unserem Projekt analysieren wir systematisch die Entwicklung gerontologischer Studiengänge im zeitlichen Verlauf. Aufbauend auf Publikationen der vergangenen Jahre werden aktuelle Entwicklungen in der Aus- und Weiterbildung dargestellt und durch aktuelle Recherchen erweitert. Dabei werden sowohl grundständige als auch konsekutive Programme berücksichtigt. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass gerontologische Ausbildungspfade bislang nur gering standardisiert und auf dem Arbeitsmarkt wenig sichtbar sind. Dies steht im Kontrast zum wachsenden gesellschaftlichen Bedarf an interdisziplinär qualifizierten Fachkräften mit gerontologischer Expertise. Das Projekt liefert damit wichtige Anknüpfungspunkte für Wissenschaft, Praxis und Bildungspolitik und möchte einen Beitrag zur Diskussion über notwendige strukturelle Reformen und Förderungen in der Aus- und Weiterbildung leisten.

 
Chancen und Herausforderungen von Quartiersarbeit zur Förderung sozialer Teilhabe älterer Menschen
P09 

L. Jesgarz, N. Faltermayr, I. Riedlinger, S. Mairhofer ; Greifswald, München

Hintergrund Altersgerechte Quartiersarbeit wird angesichts einer alternden Bevölkerung und des Wunsches, im gewohnten Umfeld zu altern, zunehmend relevant. Unser Praxisforschungsprojekt untersucht die notwendigen Bedingungen für gesundes Altern in städtischen und ländlichen Gebieten Bayerns. Schwerpunkt ist die Vielfalt von Alternsprozessen und den sozialen Ungleichheiten, die spezifische Herausforderungen und unterschiedliche Zugänge zu Ressourcen für ältere Personen mit sich bringen.

Methode Die Forschungsmethodik umfasst qualitative Interviews, Netzwerkkarten, teilnehmende Beobachtungen und partizipative Forschungsmethoden wie Stadtteilbegehungen, Nadelmethode und Photovoice. Die Erhebungen werden an verschiedenen urbanen und ruralen Standorten in Bayern in Kooperation mit der Praxis umgesetzt. Nach Präzisierung durch Expert:inneninterviews läuft seit Herbst 2024 ein Pilotprojekt in München.

Ergebnisse Erste Ergebnisse verdeutlichen die zentrale Rolle von Migration, Geschlecht und sozioökonomischem Status im Alter und bestätigen die Relevanz von altersgerechten Quartiersmerkmalen wie fußläufiger Infrastruktur, Begegnungsorten und ehrenamtlichem Engagement. Besonders Menschen mit Migrationshintergrund stoßen auf Barrieren, die ihre gesellschaftliche Teilhabe und die Nutzung von Diensten und Angeboten einschränken.

Zusammenfassung Quartiersarbeit trägt entscheidend dazu bei, älteren Menschen ein erfolgreiches Altern zu ermöglichen, erreicht jedoch vulnerable Gruppen noch unzureichend. Weitere Forschung ist erforderlich, um die spezifischen Bedürfnisse älterer Menschen im Kontext sozialer Ungleichheiten zu verstehen und gezielter durch Quartiersarbeit zu adressieren. Zum Zeitpunkt der Präsentation werden die Ergebnisse des Pilotprojekts vorliegen, was eine ideale Gelegenheit bietet, diese mit der Fachgemeinschaft zu diskutieren. Der Beitrag hebt die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung des Alterns hervor, die sowohl individuelle Lebensläufe als auch gesellschaftliche Strukturen berücksichtigt, um die Herausforderungen und Chancen in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft besser zu verstehen.

 
Strukturelle Resilienz statt individueller Bewältigung: Politikanalyse zur Unterstützung pflegender Angehöriger in Deutschland
P10 

F. Jentsch; Berlin

Pflegende Angehörige leisten in Deutschland einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung Pflegebedürftiger – oftmals unter hohem psychischen Druck, begrenzter Unterstützung und strukturellen Hürden. Bisherige Resilienzforschung fokussiert überwiegend individuelle Bewältigungsstrategien; politische und institutionelle Bedingungen als Resilienzfaktor bleiben jedoch unterbeleuchtet. Das geplante Promotionsvorhaben untersucht daher, wie politische Rahmenbedingungen zur Resilienzförderung pflegender Angehöriger beitragen können.

Die Arbeit verortet sich im Kontext politikfeldanalytischer Forschung und kombiniert Resilienzkonzepte mit dem Policy-Cycle-Modell. Methodisch basiert sie auf qualitativen Interviews mit Angehörigen und politischen Akteur:innen sowie einer dokumentenbasierten Analyse politischer Maßnahmen.

Zentrale Fragen sind: Wie werden pflegende Angehörige politisch wahrgenommen? Welche strukturellen Belastungen werden adressiert – und wie wirksam? Welche institutionellen Prozesse fördern oder behindern Resilienz? Ziel ist es, pflegepolitische Rahmenbedingungen auf ihre entlastende Wirkung hin zu analysieren und Vorschläge für eine strukturell gestützte Resilienzförderung zu entwickeln.

Ich bin als Projekmitarbeiterin beim Verein wir pflegen e.V. tätig, einem Konsortialpartner im EU-Forschungsprojekt WELL CARE zur Resilienz informell Pflegender. Die Promotion erfolgt jedoch unabhängig von diesem Projekt, ist aber durch die praktischen Einblicke in die Bedarfe und Herausforderungen pflegender Angehöriger inspiriert.

Die Dissertation leistet einen Beitrag zur theoretischen und politischen Debatte über Resilienz als gesellschaftlich herstellbare Ressource – mit Relevanz für Sozial-, Gesundheits- und Pflegepolitik.

 
Unterstützungsleistungen für Menschen mit Demenz an der Schnittstelle von Pflege und Teilhabe: Explorative Untersuchungen zur Konstituierung einer ‚verdeckten Behinderung‘
P11 

P. Friedrichs, J. Schütz; Dortmund, Kempten

Der Beitrag präsentiert passend zum Tagungsthema der pluralen Lebensverläufe im Kontext Alter(n) und ihrer Kontextualisierung durch sozialpolitische Rahmungen und Versorgungsstrukturen den aktuellen Stand meines Dissertationsvorhabens an der Schnittstelle von Alter – Behinderung – Pflege – Teilhabe, in welchem ich mich mit den Leistungen zur Teilhabe (SGB IX) für Menschen mit einer Demenzerkrankung auseinandersetze. Menschen mit Demenz greifen aktuell so gut wie gar nicht auf die Möglichkeiten aus dem SGB IX für Menschen mit Behinderung zur Sicherung ihrer Teilhabe zurück, obwohl sie vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention Anspruch auf diese Leistungen haben können. Wenn sie Unterstützung benötigen, wird diese überwiegend formell durch die Möglichkeiten aus der Pflegeversicherung und informell vor allem durch ihre An- und Zugehörigen realisiert. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Menschen mit Demenz insbesondere zu Beginn ihrer Erkrankung bzw. mit einem frühen Beginn der Erkrankung insgesamt (Young onset dementia, unter 65 Jahre) eher einen Bedarf der Unterstützung zur Teilhabe und zur Gestaltung ihres Alltags, als den des Pflegebedarfs haben. Hier entsteht eine Diskrepanz, die Menschen erleben diese Situation als prekär, sie fallen durch das Raster und werden nicht passend zu ihrem Bedarf versorgt. Empirisch gibt es zu dieser Problemstellung jedoch noch kaum Erkenntnisse. Daher untersucht das Promotionsvorhaben praxistheoretisch inspiriert und mit Hilfe eines Mixed-Method-Designs explorativ, warum sich diese Situation der Nicht-Nutzung so zeigt. Quantitativ erfolgt die Untersuchung der Bedarfslage von Menschen mit Demenz im Hinblick auf Teilhabe, qualitativ führe ich teilnarrative Interviews mit Fachkräften, Angehörigen und Menschen mit Demenz zu Fragen der Teilhabe im Kontext Demenz und ihrer Einschätzung dieser Situation. Das Poster wird den theoretischen Hintergrund und die Relevanz des Themas, das qualitative methodische Design sowie erste Einblicke aus den quantitativen Untersuchungen aus Daten des Medizinischen Diensts Bayern und dem Teilhabesurvey präsentieren.

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