Freitag, 19.09.2025
11:30 - 13:00
05.03.203
(Raum 5)
E55
Pflege und Gesundheit
Moderation: S. Richter, Regensburg
Hintergrund: Sucht- und Gewaltproblematiken in stationären Pflegeeinrichtungen können die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner:innen erheblich beeinträchtigen. Zwischen Gewalt und Sucht bestehen viele Zusammenhänge, die sich wechselseitig bedingen und verstärken können. Beide Problematiken entstehen häufig in Stresssituationen, Krisen oder durch fehlende Strategien im Umgang mit Belastungen und Konflikten. Dies unterstreicht die Relevanz von Prävention und Gesundheitsförderung, um deren Auftreten einzuschränken.
Zielsetzung: Ziel des vom Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) geförderten Projektes „Prävention kreativ!“ (Laufzeit: Juli 2022 bis Dezember 2025) ist es, die Gesundheit der Bewohner:innen durch innovative komplementäre Maßnahmen der Sucht- und Gewaltprävention zu stärken. Im Mittelpunkt stehen sozialkünstlerische und seelisch-orientierte Gruppenangebote für Bewohnende sowie begleitende Schulungen von Beschäftigten und Angehörigen. Diese sollen gesundheitsgefährdendes Verhalten verhindern und gesundheitsförderliche Strukturen in den Einrichtungen weiterentwickeln.
Methode: Vorgestellt werden Ergebnisse der Evaluation in vier stationären Pflegeeinrichtungen. Die Untersuchung kombiniert quantitative und qualitative Methoden, darunter standardisierte Kurzbefragungen und persönliche Interviews mit Bewohner:innen, schriftliche Befragungen und Fokusgruppen mit Beschäftigten sowie teilnehmende Beobachtungen der Gruppenangebote.
Ergebnisse: Die Untersuchungsergebnisse verdeutlichen positive Effekte in mehreren Wirkungsdimensionen, die für die Prävention von Sucht und Gewalt relevant sind. So konnten u.a. die Selbstwirksamkeit gestärkt, kognitive und körperliche Ressourcen aktiviert und die Kommunikationsfähigkeit verbessert werden. Auch die Interaktion der Bewohnenden untereinander und das Gruppengefühl wurden positiv beeinflusst.
Die Wirksamkeit der Maßnahmen war in den Pflegeeinrichtungen unterschiedlich stark ausgeprägt. Als Einflussfaktoren wurden verschiedene externe Bedingungen, beispielsweise die Schwerpunktsetzung der Einrichtung (gerontopsychiatrisch), die Unterstützung der Maßnahmendurchführung durch Mitarbeitende und räumliche Gegebenheiten identifiziert.
Hintergrund: Der Wunsch nach Zärtlichkeit und Intimität bis hin zu sexueller Befriedigung erlischt nicht mit dem (hohen) Alter (Beutel et al. 2008). Die Lebens- und Alltagsbedingungen in stationären Pflegeeinrichtungen bieten jedoch wenig Raum für Intimität. Im Gegenteil unterstützt dieser Rahmen einen betont sachlichen Umgang mit Körperlichkeit, der es allen Beteiligten erleichtert mit Schamgefühlen umzugehen (Heusinger & Dummert 2016). Nicht zuletzt sexualisierte Verhaltensweisen von Menschen mit Demenzerkrankungen haben dazu beigetragen, über neue Wege zur Berücksichtigung von Wünschen Heimbewohnender nachzudenken und sie zu erproben (Gatterer 2019). Meist sehr diskret, ermöglichen es stationäre Einrichtungen inzwischen einzelnen Bewohnenden, die Dienste von Sexarbeiter*innen oder Sexualbegleitung in Anspruch zu nehmen. Unter welchen Bedingungen das geschieht und welche Rahmenbedingungen nötig sind, um diese Art von Dienstleistungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten anzubieten, ist noch wenig untersucht, Fragen nach den rechtlichen Perspektiven auf Umsetzung und Finanzierung sind ungeklärt.
Methode: Für einen Überblick über den aktuellen Stand wurden im Rahmen des Projektes SEXBEP (Laufzeit 1.10.2024-31.3.2025) in einer explorativen Studie die Perspektiven von Sexualbegleiter*innen und aus dem Sozialrecht untersucht. Dazu wurden neben einer Aufarbeitung des Forschungsstandes vier leitfadengestützte Expert*inneninterviews durchgeführt, transkribiert und im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.
Ergebnisse: In den Interviews herrscht ein Verständnis von Sexualität als Menschenrecht vor. Pflegeeinrichtungen können die sexuelle Selbstbestimmung von Bewohner*innen unterstützen, indem sie kommunikative und räumlich-organisatorische Rahmenbedingungen verbessern. Grundlage dafür ist eine strukturelle Verankerung eines rechtebasierten und positiven Verständnisses von Sexualität. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an einer offenen und institutionell unterstützten Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität in Pflegeeinrichtungen. Zentral sind zudem eine Entstigmatisierung sexueller Dienstleistungen, die Klärung von Finanzierungsfragen und organisatorische Absprachen, um eine selbstbestimmte Sexualität im Alter zu ermöglichen.
Einleitung: Die Erforschung der Lebensumstände von Menschen mit Altersepilepsien spielt bisher eine untergeordnete Rolle, obwohl eine Zunahme der Inzidenz und Prävalenz zu verzeichnen ist[1]. Es gilt die Bedürfnisse und Problemlagen dieser heterogenen Gruppe von Menschen in den Fokus zu nehmen. Dabei werden drei Methoden herangezogen: Expert*inneninterviews, ein Scoping Review sowie die Befragung der Betroffenen. Im vorliegenden Beitrag liegt der Fokus auf dem Scoping Review.
Methode: Um den aktuellen Stand der Forschung zu den Problemen und Bedürfnissen von Menschen mit Altersepilepsien im Alltag zu erfassen, wurde ein Scoping Review nach PRISMA-ScR durchgeführt[2]. Aus 1360 identifizierten Quellen wurden 14 Studien zu Altersepilepsien zur inhaltsanalytischen Auswertung identifiziert.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass Altersepilepsien die geistigen und körperlichen Funktionen beeinträchtigen können. Altersepilepsien können das Leben stark verändern, insbesondere Mobilität, Unabhängigkeit und soziale Beziehungen, und führen häufig zu Isolation und Abhängigkeit. Die Behandlung erfordert mehr als nur Anfallskontrolle: Bewältigungsstrategien, Unterstützung, zielgerichtete Kommunikation und der Umgang mit Komorbiditäten und unvorhersehbaren Anfällen sind wichtig. Einflussfaktoren sind unter anderem Diagnosemethoden, Therapieoptionen, informelle und professionelle Hilfe, gesellschaftliche Einstellungen sowie verbesserte Aufklärung und Kommunikation[2].
Schlussfolgerung: Altersepilepsien erfordern einen multidisziplinären, patientenzentrierten Ansatz mit verbesserter Information, Kommunikation und gezielten Maßnahmen zur Berücksichtigung von Komorbiditäten und gegen Stigmatisierung. Die Ergebnisse des Reviews dienten zusammen mit den Expert*inneninterviews der Vorbereitung von teilnarrativen Interviews mit Betroffenen, die deren subjektive Sichtweisen im gesellschaftlichen Kontext beleuchten.
[1]Lang, J. D.; Hamer, H. M. (2022): Epidemiologie der Epilepsie im höheren Lebensalter. In: Z. Epileptol. 35 (2), S. 110-114. DOI: 10.1007/s10309-022-00487-8.
[2]Eberhart, T., Kämmer, J., Ellßel, C., Flemming, D., & Pelizäus, H. (2025). Problems and needs in everyday life of people with late-onset epilepsy: A scoping review categorization using the international classification of functioning, disability and health (ICF). In: Seizure (129), S. 88–107. DOI: 10.1016/j.seizure.2025.04.009