Freitag, 19.09.2025

11:30 - 13:00

05.03.08
(Raum 2)

E52

Gesundheitsförderliche Umwelten

Moderation: K. Boerner, Oldenburg

11:30
Wald|Gesund – Protokoll und erste Ergebnisse einer modularen waldtherapeutischen Intervention für ältere Menschen
E52-1 

A.-K. Reinhard, K. Lehnert, M. Merk, S. Wurm; Greifswald

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Regionen mit dem stärksten demografischen Wandel in Deutschland. Vor diesem Hintergrund gewinnen Strategien zur Förderung eines gesunden und aktiven Älterwerdens zunehmend an Bedeutung – insbesondere präventive, wohnortnahe und ressourcenorientierte Ansätze. Naturnahe Interventionen bieten vielversprechende Ansätze zur Prävention chronischer Erkrankungen und zur Förderung psychischen Wohlbefindens. Das im Rahmen der T!Raum-Initiative One-Health-Region vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt Wald|Gesund verfolgt das Ziel, partizipativ entwickelte, niedrigschwellige naturnahe Angebote für ältere Menschen und ausgewählte Patientengruppen (mit Bluthochdruck oder depressiver Symptomatik) zu konzipieren, umzusetzen und wissenschaftlich zu evaluieren. Aufbauend auf regionalen Vorstudien – darunter eine Bevölkerungsbefragung zum Nutzungsverhalten naturnaher Räume sowie Fokusgruppen mit Stakeholdern – wurden von zwei zertifizierten Waldtherapeutinnen drei themenspezifische Angebote mit den Schwerpunkten Kreativität, Bewegung und Achtsamkeit entwickelt und pilotiert. Zur wissenschaftlichen Begleitung wird ein multimethodaler Ansatz verfolgt, der sowohl physiologische (z. B. Blutdruck, Speichelcortisol) als auch psychologische (z. B. subjektives Stressempfinden) Parameter im Prä-Post-Design erhebt. Ergänzend werden qualitative Methoden eingesetzt, um die Erfahrungen und das Erleben der Teilnehmenden sowie Kontextfaktoren systematisch zu erfassen. Der Beitrag stellt das zugrundeliegende Studienprotokoll sowie erste Ergebnisse aus der Pilotphase der naturnahen Angebote vor.

11:50
Mit Demenz ins Konzert? Kommunale musikbasierte Interventionsangebote für demenzbetroffene Menschen und ihre betreuenden Angehörigen
E52-2 

A. Schall, V. A. Tesky, J. Pantel; Frankfurt a. M.

Hintergrund: Obwohl die positive Wirkung von Musik bei Demenz seit Längerem bekannt und in einer Reihe von Studien belegt ist, besteht weiterer Forschungsbedarf, um therapeutische Potenziale musikbasierter Interventionen noch eingehender zu untersuchen. Dies gilt insbesondere für lebensweltnahe kommunale Musikangebote, wie z.B. Chorsingen oder für Menschen mit Demenz adaptierte Konzertformate.

Methodik: Zwei kürzlich abgeschlossene Pilotprojekte widmeten sich der Implementierung und wissenschaftlichen Evaluation musikbasierter Interventionen unter Realbedingungen für demenzbetroffene Personen und ihre betreuenden Angehörigen. Gegenstand der Untersuchung waren psychosoziale und physiologische Effekte des gemeinschaftlichen Singens in einem neu gegründeten Chor aus Menschen mit Demenz sowie Auswirkungen speziell entwickelter interaktiver Gesprächskonzerte auf die Teilnehmenden im Rahmen eines randomisiert kontrollierten Cross-Over-Designs.

Ergebnisse: Die Studienergebnisse aus dem Chor-Projekt belegen bei Menschen mit Demenz u.a. signifikante Steigerungen des emotionalen Wohlbefindens (p < .05; Cohen’s dRM zw. 0,5 und 0,9) ebenso wie signifikante Reduktionen des Stresslevels, operationalisiert über den Cortisolspiegel aus Speichelproben (p < .05; Cohen’s dRM zw. -0,5 und -0,6). Bei demenzbetroffenen Teilnehmenden der interaktiven Gesprächskonzerte ließen sich ebenfalls positive signifikante Effekte auf emotionales Wohlbefinden sowie depressive Symptomatik nachweisen (p < .05). Zugleich profitierten auch die begleitenden Angehörigen von der Teilnahme an den Interventionsangeboten.

Diskussion: Die Ergebnisse beider Pilotstudien demonstrieren zum einen die vielversprechenden und im Kontext von Demenz gesundheitsrelevanten Effekte der auf diese Zielgruppe zugeschnittenen kommunalen Musikangebote, zeigen zum anderen aber auch die besonderen Anforderungen auf, die solche Formen musikalischer Teilhabe für demenzbetroffene Menschen und ihre Betreuenden erfüllen sollten.

12:10
Altersfreundliche Stadt für alle? Vier Personas im Vergleich
E52-3 

A. Grenz, M. Weinhardt, M. Heß, J. van Hoof, J. Dikken, K. Boerner; Oldenburg, Berlin, Mönchengladbach, Den Haag/NL

Hintergrund und Ziel: Städte und Kommunen stehen im demografischen Wandel vor der Herausforderung, altersfreundliche Lebensbedingungen für eine zunehmend diverse ältere Bevölkerung zu gestalten. Diese Studie stellt eine deutschsprachige Version des „Age-Friendly Cities and Communities Questionnaire“ (AFCCQ) vor und untersucht, wie ältere Menschen Altersfreundlichkeit in ihrer Stadt erleben – orientiert an den acht WHO-Bereichen.

Methode: Im Rahmen einer quantitativen Querschnittsstudie wurde der AFCCQ-DE in einer repräsentativen Stichprobe von 905 Personen ab 65 Jahren in der Stadt Oldenburg eingesetzt. Eine Faktorenanalyse diente der psychometrischen Validierung, eine anschließende Clusteranalyse identifizierte unterschiedliche Wahrnehmungs- und Bewertungstypen („Personas“).

Ergebnisse: Der AFCCQ-DE erwies sich als valides und reliables Instrument zur Erfassung von Altersfreundlichkeit in Städten und Gemeinden. Die Gesamtbewertung fiel moderat bis gut aus; die höchste Zufriedenheit wurde im Bereich „Wohnen“ verzeichnet. Die Clusteranalyse führte zur Identifikation von vier Gruppen älterer Menschen mit jeweils spezifischen sozio-demografischen Profilen sowie unterschiedlichen Erfahrungen und Bewertungen der Stadt.

Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individueller Lebenslagen für die Wahrnehmung von Altersfreundlichkeit in Städten. Die Differenzierung nach Typen ermöglicht es, heterogene Bedürfnisse sichtbar zu machen und stadtentwicklungspolitische Maßnahmen gezielter auszurichten. Der AFCCQ-DE bietet damit eine fundierte Grundlage zur Entwicklung inklusiver und sozial gerechter Städte für alle Lebensphasen des Alterns.

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