Donnerstag, 18.09.2025

11:00 - 12:30

05.03.09
(Raum 1)

S11

Forschungsprojekt AIDA - Akteurszentrierte Integration digitaler Assistenzsysteme in Prozesse, Organisationen und Lebenswelten der ambulanten Pflege

Moderation: M. Schlifski, Bochum; R. Schöttler, Bochum; A. Kuhlmann, Bochum

Die Pflege in Deutschland befindet sich in einer angespannten Lage. Auf der einen Seite sind Versorgungsengpässe identifizierbar (1). Auf der anderen Seite werden die Bedarfe im Zuge des demografischen Wandels mutmaßlich weiter steigen (2). Digitale Assistenztechnologien könnten in der Lage sein Entlastungen zu schaffen (3). Im Forschungsprojekt AIDA wird die Implementierung solcher Technologien erforscht.

Bei der Implementierung von digitalen Lösungen sind Pflegekräfte, pflegebedürftige Personen sowie die Pflegeorganisation maßgebliche Akteure. Es stellt sich nun die Frage: Wie ist die Implementierung digitaler Assistenztechnologie in die ambulante Pflegepraxis zu gestalten, um die Bedarfe jener Akteursgruppen zu berücksichtigen und welche Barrieren und Befähiger beeinflussen diesen Prozess?

In einem vierteiligen Symposium werden zunächst in drei 15minütigen Vorträgen die drei Akteursperspektiven präsentiert. Anschließend erfolgt ein 45minüter Workshop, in welchem anhand von Hauptkategorien die Barrieren und Befähiger für die Technikimplementierung diskutiert werden.

Ziel des Symposiums ist, die präsentierten Hauptkategorien herauszustellen und diese anschließend auf Plausibilität zu prüfen. Nach aktuellem Stand sind die Partizipation, die verfügbaren Ressourcen, die Kompetenzen, die Readiness bzw. Bereitschaft sowie die Zielsetzungen der Akteure relevante Kategorien, anhand derer Befähiger und Barrieren definiert werden können (4).

11:00
Beobachtungen und Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit der Implementierung digitaler Technik in die Lebenswelt pflegebedürftiger älterer Menschen
S11-1 

M. Schlifski, A. Kuhlmann, R. Schöttler; Bochum

Aus der Forschung von Schöttler, Kuhlmann und Schlifski (2025) ergeben sich Ergebnisse und Schlussfolgerungen bezüglich der Perspektive von pflegebedürftigen Personen. Es wird deutlich, dass bei pflegebedürftigen Menschen auf der einen Seite Offenheit und Neugier für digitale Assistenztechnologien vorliegen. Diese Offenheit könnte auf das Ziel bzw. die Erwartung der Steigerung von Sicherheit und Autonomie zurückzuführen sein. Auf der anderen Seite artikuliert diese Akteursgruppe aber auch Bedenken bezüglich einer potenziellen Überforderung gegenüber der installierten Technik sowie einer Stigmatisierung als pflegebedürftige Person. Pflegebedürftige stellen ihren Haushalt als Interventionsraum für die Implementierung digitaler Assistenztechnologien zur Verfügung. Es ist daher notwendig, sie als Expert:innen ihrer Lebenswelt anzuerkennen und entsprechende Expertise in die Forschung einfließen zu lassen. Allerding identifizieren sich auch infrastrukturelle Herausforderungen, wie z.B. instabile Internetanbindungen oder auch Sorgen um den Stromverbrauch der installierten Komponenten. Jene Herausforderungen können die praktische Anwendung innovativer digitaler Systeme einschränken (Schöttler et al., 2025).

Auf Grundlage dieser Ergebnisse lassen sich Kategorien definieren, an denen entlang sogenannte Befähiger und Barrieren aus der Perspektive von pflegebedürftigen älteren Menschen identifiziert werden können (ebd.). Diese sind (1) Fähigkeiten & Kompetenzen von Pflegebedürftigen, um Überforderung zu vermeiden, (2) Ressourcen, die jenen Personen zur Verfügung stehen, wie z.B. eine stabile Internetverbindung, (3) Partizipation von Pflegebedürftigen am Implementierungsprozess von Technik, womit u.a. die Würdigung als Expert:innen gemeint ist, (4) ‚Readiness‘, also die Bereitschaft dieser Akteursgruppe gegenüber einem entsprechenden Innovationsprozess, wozu auch Offenheit und Neugier gezählt werden können und (5) die Ziele und Erwartungen von pflegebedürftigen älteren Menschen, was beispielsweise auch die Steigerung von Sicherheit und Autonomie umfasst (ebd.).

 

Literatur:

Schöttler, Roland; Kuhlmann, Andrea; Schlifski, Manuel (2025): Akteursspezifische Befähiger und Barrieren in Digitalisierungsprozessen ambulanter Pflegeorganisationen. In: https://zenodo.org/records/15277733, zuletzt geprüft am: 02.05.2025

11:15
Pflegekräfte im Spannungsfeld von Befähigern und Barrieren im Kontext der Implementierung von digitaler Assistenztechnologie
S11-2 

A. Kuhlmann, M. Schlifski, R. Schöttler; Bochum

Die Forschung von Schöttler, Kuhlmann und Schlifski (2025) nimmt unterschiedliche Akteursgruppen von ambulanter Pflege in den Fokus. In der praktischen Umsetzung von Pflege sind dies neben den pflegebedürftigen Personen offensichtlich die ambulanten Pflegekräfte. Die teilnehmenden Pflegekräfte äußern trotz einer grundsätzlich offenen Haltung gegenüber Digitalisierung sowie der Hoffnung auf Erleichterung und Beschleunigung von Arbeitsabläufen Kritik. Die Pflegkräfte erklären zwar, dass Potenziale im Zuge der Nutzung von digitaler Technik vermutet werden – dazu zählt beispielsweise die Optimierung von administrativen Prozessen – gleichzeitig werden aber auch Risiken befürchtet, z.B. durch den Ausfall der angewandten Systeme oder auch eine überhandnehmende Abhängigkeit von Technik, wodurch die Ganzheitlichkeit von Pflege gefährdet werden könnte. Ein auffälliges Forschungsergebnis ist die Differenz zwischen älteren und jüngeren Kolleg:innen in Bezug auf die Erfahrungen und Kompetenzen im Zusammenhang mit Digitalisierung. Diese Heterogenität der Kompetenzlevels stellt eine Hürde für den Implementierungsprozess dar. Neben Schulungsmaßnahmen ergibt sich daher auch ein Bedarf für einen partizipativen und interdisziplinären Austausch sowie umfassende Unterstützungsangebote (Schöttler et al., 2025).

Diese Ergebnisse begründen die Herleitung von Hauptkategorien, die als Orientierung für die Identifikation von Befähigern und Barrieren bei der Implementierung von digitaler Technik in die ambulante Pflege fungieren (ebd.). Dazu zählen (1) Fähigkeiten und Kompetenzen von Pflegekräften, welche z.B. durch Support und Schulung entwickelt werden müssen, (2) Ressourcen, wozu beispielsweise verfügbare Zeit für jene Schulungen zählen, (3) Partizipation von Pflegekräften, wodurch Verständnis und Motivation der Pflegekräfte gefördert werden können, (4) ‚Readiness‘, sprich die Bereitschaft von Pflegekräften zur Veränderung und (5) Ziele und Erwartungen von Pflegebedürftigen, welche u.a. die Vereinfachung und Beschleunigung von Arbeitsprozessen umfassen (ebd.)

 

Literatur:

Schöttler, Roland; Kuhlmann, Andrea; Schlifski, Manuel (2025): Akteursspezifische Befähiger und Barrieren in Digitalisierungsprozessen ambulanter Pflegeorganisationen. In: https://zenodo.org/records/15277733, zuletzt geprüft am 02.05.2025

11:30
Innovative Digitalisierungsmaßnahmen im herausfordernden operativen Tagesgeschäft von ambulant tätigen Pflegeorganisationen
S11-3 

R. Schöttler, M. Schlifski, A. Kuhlmann; Bochum

Das Forschungsprojekt AIDA (Akteurszentrierte Integration digitale Assistenzsysteme) nimmt neben den Pflegekräften und den pflegebedürftigen Menschen auch die organisationalen Rahmenbedingungen von Pflege in den Fokus. Als entsprechende Akteursgruppe agiert demnach die Pflegeorganisation. Pflegeorganisationen sind gefordert das operative Tagesgeschäft unter anspruchsvollen Bedingungen, die von hoher Arbeitsbelastung und dem Fachkräftemangel in der Pflege geprägt sind, aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig gibt es den Anspruch strategische Prozesse, wie die Implementierung von digitaler Technik, im Arbeitsalltag der Pflege- und Leitungskräfte umzusetzen. Die Formulierung einer klaren Zielsetzung und die Partizipation aller involvierten Hierarchieebenen stellen dabei eine relevante Bedingung dar, damit die Akzeptanz der Akteure sowie die Nutzbarkeit der digitalen Technik in der Praxis gefördert werden kann. Eine wichtige Erkenntnis ist das Erfordernis eines integrativen Implementierungsansatzes. Die isolierte Betrachtung der digitalen Technik ist nicht zielführend. Vielmehr muss die technische Lösung als Teil eines ganzheitlichen Prozesses betrachtet werden, welcher zum einen die Bedarfe und Wünsche der Pflegepraxis in den Fokus nimmt, zum anderen die strukturellen Voraussetzungen von Pflegeorganisation berücksichtigt und weiterentwickelt. (Schöttler et al., 2025)

Aus den Forschungsergebnissen leiten sich für die Pflegeorganisation Hauptkategorien ab, an denen entlang Barrieren und Befähiger für die Implementierung von digitaler Technik ermittelt werden können (ebd.). Dabei handelt es sich um (1) Fähigkeiten & Kompetenzen der Pflegeorganisation, wozu etwa das notwendige Wissen um die Prozess- und Technikentwicklung gehört, (2) Ressourcen, zu denen insbesondere genannte Zeit- und Personalressourcen gezählt werden können (3) Partizipation sämtlicher Hierarchieebenen, (4) ‚Readiness‘, also die strukturelle und/oder kulturelle Veränderungsbereitschaft der Pflegeorganisation und (5) die Ziele & Erwartungen, welche vor allem die strategischen Zielsetzungen im Zuge der Implementierung technischer Lösungen umfassen (ebd.).

 

Literatur:

Schöttler, Roland; Kuhlmann, Andrea; Schlifski, Manuel (2025): Akteursspezifische Befähiger und Barrieren in Digitalisierungsprozessen ambulanter Pflegeorganisationen. In: https://zenodo.org/records/15277733, zuletzt geprüft am: 02.05.2025

11:45
Workshop – Gemeinsame Reflexion von identifizierten Hauptkategorien, die die Implementierung von digitalen Assistenzsystemen in die ambulante Pflegepraxis beschreiben können
S11-4 

M. Schlifski, R. Schöttler, A. Kuhlmann; Bochum

Das Symposium des Projekt AIDA (Akteurszentrierte Integration Digitaler Assistenzsysteme) umfasst neben den drei Vorträgen zu den Akteursgruppen Pflegebedürftigen, Pflegekräften und Pflegeorganisation auch eine gemeinsame Reflexion mit dem teilnehmenden Plenum. Diese Reflexion wird als Workshop gestaltet, der das Ziel hat, die Plausibilität der identifizierten Hauptkategorien zu evaluieren und zu reflektieren und gegebenenfalls neue Impulse für künftige Forschung zu geben. Die im Rahmen der Forschung von Schöttler, Kuhlmann und Schlifski (2025) ermittelten Hauptkategorien sind (1) Fähigkeiten und Kompetenzen, (2) Ressourcen, (3) Partizipation, (4) Readiness bzw. Bereitschaft und (5) Ziele und Erwartungen.

Es werden aus dem Plenum heraus drei Gruppen gebildet, welche jeweils die Perspektive einer der drei Akteursgruppen einnehmen werden. Gruppe 1 wird sich entsprechend in Pflegebedürftige, Gruppe 2 in Pflegekräfte und Gruppe 3 in die Pflegeorganisation hineinversetzen. In diesen Gruppen werden nun Befähiger und Barrieren für die Implementierung von digitaler Technik in die Pflege aus Sicht jener Akteursgruppen eingebracht. Die gesammelten Ideen für Befähiger und Barrieren werden anschließend nach Möglichkeit auf ihre mögliche Zuordnung zu den im Projekt AIDA identifizierten Hauptkategorien geprüft. Es wird dazu eine moderierte Diskussion innerhalb der Gruppen angestrebt. Anschließend soll ein Austausch zwischen den Gruppen erfolgen, um mögliche Interdependenzen zwischen den spezifischen Befähigern und Barrieren in den jeweiligen Kategorien zu diskutieren.

Im Ergebnis wird erwartet, dass die genannten Befähiger und Barrieren sich überwiegend in das bestehende Rahmenmodell aus den fünf Hauptkategorien integrieren lassen. Insbesondere mit Blick auf die möglichen Interdependenzen sind Impulse aus dem Plenum wünschenswert, die künftige Fragestellungen sowie das bestehende Kategoriensystem vertiefen.

 

Literatur:

Schöttler, Roland; Kuhlmann, Andrea; Schlifski, Manuel (2025): Akteursspezifische Befähiger und Barrieren in Digitalisierungsprozessen ambulanter Pflegeorganisationen. In: https://zenodo.org/records/15277733, zuletzt geprüft am: 02.05.2025

Literatur:

(1) Schwinger, Antje; Klauber, Jürgen; Chrysanthi, Tsiasioti (2019): Pflegepersonal heute und morgen. In: Klaus Jacobs, Adelheid Kuhlmey, Stefan Greß, Jürgen Klauber und Antje Schwinger (Hg.): Pflege-Report 2019: Springer, Berlin, Heidelberg, S. 4–22.

(2) Kochskämper, Susanne (2018): IW-Report 33/18 - Die Entwicklung der Pflegefallzahlen in den Bundesländern. Eine Simulation bis 2035. Köln. Online verfügbar unter https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2018/IW-Report_33_2018_Pflegefallzahlen.pdf, zuletzt geprüft am 27.04.2023.

(3) Evans, Michaela; Hielscher, Volker; Voss-Dahm, Dorothea (2018): Damit Arbeit 4.0 in der Pflege ankommt. Wie Technik die Pflege stärken kann. In: Forschungsförderung Policy Brief (Nr. 004).

(4) Schöttler, Roland; Kuhlmann, Andrea; Schlifski, Manuel (2025): Akteursspezifische Befähiger und Barrieren in Digitalisierungsprozessen ambulanter Pflegeorganisationen. online verfügbar unter https://zenodo.org/records/15277733, zuletzt, geprüft am 02.05.2025

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