Donnerstag, 18.09.2025

11:00 - 12:30

05.03.08
(Raum 2)

S12

Einsamkeit im Alter

Moderation: A. C. Reinwarth, Mainz

Soziale Beziehungen stellen eine wichtige Komponente gesunden Alterns dar. Qualitativ gute zwischenmenschliche Beziehungen sind essentiell für die Aufrechterhaltung psychischer sowie physischer Gesundheit und sagen Mortalität vergleichsweise mit etablierten Risikofaktoren wie dem Body-Mass-Index, Rauchen oder Alkoholkonsum vorher (Holt-Lunstad, Smith, & Layton, 2010; Kawachi & Berkman, 2001; Kuiper et al., 2015; Lakey & Orehek, 2011). Insbesondere nach dem 75. Lebensjahr steigt das Risiko anhaltender Einsamkeit drastisch an und es wird zunehmend unwahrscheinlicher, dass Betroffene aus eigenem Antrieb diesen stressreichen Zustand überwinden können (Hawkley, Buecker, Kaiser, & Luhmann, 2022; Huxhold & Henning, 2023). Aktuelle Zahlen des Einsamkeitsbarometers verdeutlichen, dass in Deutschland lebende Menschen über 75 Jahre im Längsschnitt, die am stärksten von Einsamkeit betroffene Altersgruppe darstellen (Schobin, Arriagada, & Gibson-Kunze, 2024). Die Forschung steht jedoch erst am Anfang, das komplexe Phänomen „Einsamkeit“, dessen Ursachen, individuelle Unterschiede im Erleben dessen, sowie Verläufe und Folgen vollumfänglich zu verstehen (von Soest, Luhmann, Hansen, & Gerstorf, 2020).
Im Rahmen des Symposiums „Einsamkeit im Alter“ wird auf Basis von Daten regionaler Kohorten ein Bild von der Verbreitung und Stabilität von Einsamkeitsgefühlen in der deutschen Allgemeinbevölkerung sowie in vulnerablen Subgruppen skizziert. Darüber hinaus werden potentielle Resilienzfaktoren und Auswirkungen von Einsamkeit diskutiert:
Das Symposium wird mit dem Vortrag von Anna C. Reinwarth eröffnet. Innerhalb der populationsbasierten, prospektiven Gutenberg-Gesundheitsstudie hat Anna C. Reinwarth mit ihren Kolleg:innen die Verbreitung und Stabilität von Einsamkeitsgefühlen analysiert. Darüber hinaus zeigt ihr Vortrag Ergebnisse zum wechselseitigen Einfluss von Resilienz und Einsamkeit.  Anschließend werden von Selina Vogel Ergebnisse zu Einsamkeit in der Hochaltrigkeit unter Berücksichtigung von unterschiedlichen kognitiven Gruppen aus der repräsentativen Studie „Lebensqualität und Wohlbefinden hochaltriger Menschen in NRW“ (NRW80+) vorgestellt. Danach wird Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan einen Vortrag über die Verbreitung und möglichen Ursachen von Einsamkeit bei älteren Menschen mit Migrationshintergrund halten.

11:00
Zusammenhang von Resilienz und Einsamkeit
S12-1 

A. Reinwarth; Mainz

Alter und Altern ist sowohl durch individuelle Entwicklungschancen als auch durch physische, psychische wie soziale Verlusterfahrungen geprägt, welche mit einer Zunahme an Vulnerabilität einhergehen. In der vorliegenden Studie wurde die Häufigkeit und Stabilität von Einsamkeitsgefühlen (gemessen anhand der Zustimmung zu der Aussage „Häufiges Alleinsein/ zu wenig Kontakte“ und der damit einhergehenden Belastung) im Zeitraum von 2007 bis 2017 mit Daten von N = 6.467 Personen im Alter von 35 bis 75 Jahren zu Baseline der populationsbasierten, prospektiven Gutenberg-Gesundheitsstudie erfasst. Darüber hinaus wurde der Zusammenhang von Resilienz auf die Stabilität von Einsamkeitsgefühlen sowie mögliche Wechselwirkungen innerhalb dessen in einem autoregressiven Cross-lagged-panel Models untersucht. Resilienz wurde in Form eines Stressor-Reaktivität-Scores operationalisiert, in welchem die individuelle Stressbelastung und psychische Belastung in Verhältnis gesetzt worden sind. Erste deskriptive Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der Personen über den Zeitraum nicht einsam war. Dennoch wurden bereits signifikante Unterschiede in Bezug auf Einsamkeit im Kontext von Resilienz sichtbar: Resilientere Personen hatten im Vergleich zu Personen mit einer geringeren Ausprägung von Resilienz, eine niedrigere Wahrscheinlichkeit von Einsamkeitsgefühlen betroffen zu sein. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Förderung von Resilienz einen wichtigen Aspekt innerhalb von Interventions- und Präventionsansätzen für Einsamkeit darstellen können.

11:30
Kognitive Beeinträchtigung und Einsamkeit in der Hochaltrigkeit
S12-2 

S. Vogel; Köln

Die negativen Auswirkungen von Einsamkeit im Alter sind empirisch gut belegt. Allerdings gibt es nur wenige Studien, die sich gezielt mit dem sehr hohen Alter (80+ Jahre) oder Randgruppen wie Menschen mit kognitiven Einschränkungen befassen. Unsere Studie untersuchte daher Einsamkeit in der Hochaltrigkeit unter Berücksichtigung von unterschiedlichen kognitiven Gruppen (keine Beeinträchtigungen, leichte und schwere kognitive Beeinträchtigungen). Als Datengrundlage diente die repräsentative Studie „Lebensqualität und Wohlbefinden hochaltriger Menschen in NRW“ (NRW80+). Dabei wurden Quer- als auch Längsschnittdaten von 1.561 Probanden analysiert, basierend auf Zielpersonen- und Proxy-Interviews. Die Querschnittanalysen ergaben, dass Teilnehmende mit kognitiven Einschränkungen häufiger Einsamkeit erlebten als Teilnehmende ohne kognitive Beeinträchtigungen. Teilnehmende mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen erlebten zudem häufiger Einsamkeit als Teilnehmende mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Einsamkeit war insgesamt mit einem höheren Risiko für depressive Symptome und einem geringeren positiven Affekt assoziiert. In den Längsschnittanalysen zeigten sich keine Assoziationen zwischen dem kognitiven Status in Welle 1 (2017–2018) und Einsamkeit in Welle 2 (2019–2021). Unsere Ergebnisse zeigen, dass kognitive Beeinträchtigungen mit einem erhöhten Risiko für Einsamkeit assoziiert sind und Einsamkeit einen Risikofaktor für geringes Wohlbefinden darstellt. Gleichzeitig ergab sich kein Zusammenhang zwischen Einsamkeit und kognitivem Status über einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von zielgerichteten Interventionen, insbesondere beim Vorliegen kognitiver Einschränkungen.

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