Donnerstag, 18.09.2025
14:45 - 16:15
05.03.202
(Raum 4)
W24
Affektive Gerontologie – Methodische Herausforderungen in der empirischen Annäherung an sprachlich schwer zugängliche Phänomene
Moderation: L. Bischoff, Frankfurt a. M.; A. Franke, Wiesbaden; A. Wanka, Frankfurt a. M.
Die Kognition und die Sprache können sich in Altersprozessen zunehmend der eigenen Kontrolle entziehen. Das stellt die Gerontologie, die gerne mit sprachbasierten Methoden wie qualitativen Interviews und quantitativen Erhebungen arbeitet, vor massive Herausforderungen. Wenn die Sprache unverfügbar wird, brauchen wir in der Gerontologie alternative methodische Zugänge, um Erfahrungen affektiv statt kognitiv zu erforschen.
Im Workshop stellen wir uns die Frage, wie Affekte und affektive Erfahrungen – wie Verlusterfahrungen, Schmerzen und Trauer sowie Euphorie, Liebe, Freude und Resonanz –, die sich nur schwer verbalisieren lassen, empirisch gefasst und zugänglich gemacht werden können.
Als theoretische Grundlage beziehen wir uns auf die Resonanztheorie nach Hartmut Rosa. Diese stellt in ihrer Betonung eines lebendigen Antwortverhältnisses zwischen Mensch und Welt eine Perspektive dar, mit der wir uns dem subjektiven sowie affektiven Erleben des Alterns sowie der Altersprozessen innewohnenden Unverfügbarkeit nähern können.
Nach einer Skizzierung der Grundzüge dieser Theorie wollen wir einen Raum zum Austausch über nicht-sprachliche Phänomene und methodische Zugänge schaffen. Welche Erfahrungen haben wir und die Teilnehmenden mit der empirischen Annäherung an altersspezifische Erfahrungen gemacht, die sich der Verbalisierung entziehen oder zumindest in klassischen Interviewformaten schwer zugänglich sind?
Dabei wollen wir unterschiedliche partizipative sowie sog. kreative, qualitative sowie quantitative Methoden und Zugänge diskutieren: Sei es die Verwendung von Literatur in Gruppendiskussionen, der Einsatz des „ecological momentary assessments“ (EMA) oder autoethnografische Erhebungen.
Im Workshop bringen wir – ausgehend von unseren Erfahrungen mit der empirischen Annäherung an Resonanzerfahrungen – empirische Beispiele, kreative Erhebungsmethoden sowie methodologische Überlegungen mit. Beispielsweise werden Vignetten, die Resonanzerfahrungen beschreiben oder die Möglichkeiten der Erfassung der Bedeutung von (Wohn-)Umwelten kritisch diskutiert und die Durchführbarkeit des Schaffens gemeinsamer Resonanzerfahrungen mit anschließender (auto-)ethnografischer Erhebung ausgelotet.
Somit soll die konkrete Auseinandersetzung mit der empirischen (Un-)Zugänglichkeit von Resonanzerfahrungen in einer allgemeineren Diskussion rund um den Einsatz sogenannter kreativer Methoden münden.